Monolog keines Dichters

K E I N D I C H T E R. Wo will ich hin? Das ist es. Nirgends.

Was will ich sein? Das ist es. Nichts.

Was könnt’ ich sein? Das ist es. Alles.

Doch drängt’s mich nicht im Innern eines nur zu sein

-heißt eins der Vielen-

Denn eins als Eines nur, das ist, wie ich mich fühl;

Als Eins und Nichts,

Als wär’ ich Weiß im Mittelkreis des Spektrums

Und könnt’ den Arm der flüssig wandelbaren Seele

Zu jeder Farbe hin, in jede Richtung strecken.

So bin ich manchmal rot und manchmal blau,

Mal grün, mal gelb, mal braun, mal grau,

Und alles gleichsam gut.

Doch könnt’ ich nie – und will es nicht –

Die Seele gänzlich färben

Und zu viel Tinte einer Farbe hier in weiße Mitte tropfen,

Denn zieht es mich doch gleichsam hin zu allen ihnen

Und gleichsam teuer sind sie mir.

So viele Seelen gibt es doch,

Die gänzlich eine Farbe sich erwählen,

Schon früh, voll Leidenschaft und gern,

Und weiß ich auch, dass ganz und gar es nötig ist

Für Gott, der durch die Seelen aller Dinge fühlt,

Gar jede Farbe bis ins Äußerste

Und manchmal ganz gesondert zu erfahren.

Doch mir, ja, fehlt dieses Verlangen

Und keine Farbe mag mir recht und gänzlich passen.

Selbst die des Dichters nicht.

Zwar will ich’s sein und gern tu ich es auch,

Doch nur zu mancher Stunde kann ich Dichter sein.

Doch ist es nicht mein Los,

Denn dieses, das ich zog, war leer.

So kam mir in den Sinn:

Ist Weiß vielleicht die Farbe alter Seelen,

Die keine Farbe mehr ins Äußerste erfahren müssen?

Ich merke doch, ich bin kein großer Schaffer,

Zwar schaff’ ich hier und da ein kleines Werk,

Doch bin ich bess’rer Hörer, bess’rer Fühler,

Bin ich mehr Eindruck noch als Ausdruck,

Als raste alles Äußere

Doch stärker und auch leichter in mein Inn’res,

Als Inn’res, das nach außen quillt;

Als raste meine Seele durchs Erfahren

Ja mehr und mehr zur Einheit hin.

Vielleicht kann nur die junge Seele Dichter sein,

Der Ausdruck näher ist als das Erfahren.

Das klingt wie Wahnsinn,

scheint doch die Seele eines jeden Dichters alt zu sein.

Vielleicht sind Alt und Jung nur Illusionen,

Denn jung heißt nach Geburt und alt kurz vor dem Tod.

Doch gibt es nicht nur EINE Seele, Gott, das Wasser?

Und die ist ewig.

Geburt und Tod sind in ihr eines; als leere, eine, Mitte.

Und da sie ewig ist, ist sie,

Wenn sie geboren wird und jung ist, schon gestorben.

So war die junge Dichterseele schon verschieden,

Sie war schon alt und schon vollendet,

Nur deshalb kann sie so unendlich fruchtbar sein.

Denn sie ist gleichsam älter und auch jünger als die meine

Und voller Drang.

Doch Drang, den hab ich nicht für mich.

Vielleicht ist alles, was ich sein will,

Vielleicht ist alles, was ich sein kann,

Ein warmer, sanfter Ozean.

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#Lyrik

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