Herr Quackler - Kapitel 2 (1. Fassung)

Das zweite Kapitel meines (natürlich immer noch in der Entstehung befindlichen) Kinderbuches ist nun schon etwas länger als das erste. Hier werden nun auch ein paar weitere Charaktere außer dem Herrn Quackler vorgestellt und finden ihren Einzug in die Geschichte. Da es sich hierbei wirklich um die erste, unbearbeitete Fassung handelt, bitte ich es zu entschuldigen, wenn die Sprache zum Teil vielleicht noch etwas ungeschickt oder kantig gewählt scheint, da ich beim ersten Schreiben meinen Fokus zunächst auf das Voranschreiten der Handlung lege. Das einzige, was ich verbessert habe, waren ein oder zwei inhaltliche Widersprüche, die mir beim Lesen aufgefallen sind. Ich hoffe, ab jetzt wird es etwas interessanter und allen Lesern natürlich viel Freude beim Überfliegen!


Klopf, klopf! Klopf, klopf, klopf! machte es an der Türe. Herr Quackler schreckte aus seinem wohligen Traume. Etwas verdattert blickte er umher und richtete seine Augen schließlich zum Eingang, wo er ein Rufen vernahm. „Herr Quaaackler! Mach die Tür auf, ich bin es!“

„HUCH!“, dem kleinen, grünen Mann rutschte ein erschrockenes Quaken heraus. „Herr Buddler! Das habe ich ja beinahe vergessen!“ Er schwang sich aus seinem kuscheligen Bett und stolperte Richtung Tür. Mit einem Ruck öffnete er sie und stand seinem guten Freund gegenüber, der ihn belustigt ansah.

„Quackler! Du siehst ja noch völlig verschlafen aus!“, lachte der fröhlich dreinblickende Kerl. Es war Herr Buddler, der dort mit zusammengekniffenen Augen vor ihm stand (er konnte nämlich nicht sonderlich gut sehen) und unseren Quackler begrüßte. Er hatte große Schaufelhände, die offenbar fantastisch zum Graben geeignet waren. Auf dem Kopf trug er eine schwarze Melone und sein runder, haariger Körper steckte in einer gemütlichen Latzhose.

„Komm rein, komm rein, Buddler! Verzeih mir! Es tut mir so leid, verzeih! Ich habe wohl zu lange verschlafen… ich meine geschlafen! Zu lange geschlafen und deshalb verschlafen! Komm rein, komm rein!“

„Ganz ruhig, Quackler!“, beschwichtigte Borro seinen Gastgeber, als er eintrat. „Mach dir keine Gedanken, ich wäre auch beinahe zu spät gekommen, weil ich den falschen Weg genommen habe. Hier oben sieht irgendwie alles gleich aus! Zumal es auch noch so grell ist. Wie soll man sich denn da zurechtfinden?“, beschwerte er sich. Herr Quackler lachte. „Hier oben sieht alles gleich aus? Das sagt derjenige, der in einem einzigen Labyrinth lebt!“. Buddler sah ihn ernst an, worauf sein Freund verstummte, denn er dachte, er habe etwas Falsches gesagt. Doch dann grinste ihn sein Gast an und beide lachten lauthals.


Als sie beide nun in die Hütte gegangen waren und die Türe hinter sich verschlossen hatten, sagte Herr Buddler: „Ich hatte mir gedacht, wir gehen wieder einmal spazieren? Das haben wir nun ein paar Tage schon nicht gemacht.“ Sein grüner Freund stülpte die Lippen nach vorn und schaute nach oben, „Meinetwegen. Aber zuerst machen wir uns ein schönes Frühstück!“. Damit war sein Gast einverstanden und so bereiteten sie sich ein reiches Morgenmahl aus weichem Schilfbrot, gelber Butter, Gänseblumentee und kandierten Seerosenblüten. Nachdem beide satt und glücklich waren, wollten sie sich auf den Weg machen. Als sie schon fast draußen waren, schrie der Quackler kurz auf: „Argh! Mein Hut!“. Er stürmte zurück, nahm den geflochtenen Hut vom Ständer und setzte ihn auf seinen Kopf. „Herr Quackler und sein Hut“, bemerkte Buddler, „beste Freunde, könnte man meinen.“.


Die zwei Gefährten liefen nun den Schilfsteg entlang des Tümpelrandes, bis sich rechts von ihnen ein Weg durch das hohe Seegras auftat. Dem folgten sie, bis er sich gabelte. Vor ihnen erhob sich der große Wald, an dessen Rande des Herrn Quacklers kleiner Tümpel lag. In diesem Walde lebten viele der Freunde des Buddlers, zumindest in den Randgebieten, die nicht weit von der Lichtung entfernt waren. Denn je tiefer man kam, desto düsterer und geheimnisvoller wurde der Wald und viele Geschichten erzählte man sich über die Kreaturen, die in der Tiefe hausten. Besonders gen Osten wurde er tief und braun und dunkel. Den Schreckensforst nannte man diesen Teil des Waldes. Doch Herr Quackler machte sich nichts aus diesen Geschichten und er mochte sie nicht. Auch den Wald mochte er nicht. Musste er ihn betreten, bereitete ihm das ein unwohles Gefühl. Doch nie würde er tiefer als nötig hineingehen – davor hatte er viel zu große Angst. Und zum Glück gingen Herr Buddler und sein Freund an diesem Tage auch nicht in den Wald, sondern folgten dem rechten Pfad nach Osten. Sie spazierten und unterhielten sich über dies und das und jenes. Recht bald kamen sie, nachdem sie ein weiteres Mal rechts abgebogen waren, am Wohnsitz des Buddlers vorbei, einer kleinen Höhle, die in einen hohen Hügel gegraben war. Durch den mit bunten Blumen reichlich bepflanzten Vorgarten führte ein heller Kieselsteinweg zur roten Eingangstüre, neben der sich rechts und links jeweils ein kleines, rundes Fenster befand. Etwas weiter oben ragte ein Schornstein aus dem satten grünen Gras und blies dicke Rauchwolken in den blauen Mittagshimmel.

„Wie wäre es mit einer kleinen Pause?“, fragte Herr Buddler, zog seine Pfeife aus der Tasche und deutete damit auf den höchsten Punkt des Hügels.

„Wie gut, dass ich gerade das Selbe dachte, mein Freund!“, lachte der Quackler und klopfte seinem Gefährten auf die Schulter. Sie gingen etwas um den Hügel herum, bis sie zu einer Treppe kamen, die bis ganz nach oben führte. Herr Buddler – oder war es sein Vater gewesen? – hatte sie vor langer Zeit gebaut. Sie bestand aus groben Steinen, die in die Flanke des kleinen Berges gehauen waren. Moos überwucherte sie bereits und wenn es feucht war, musste man aufpassen, nicht auszurutschen. Buddler ging voran und der Quackler folgte ihm. Als sie oben angekommen waren, setzten sie sich auf das weiche Gras und holten Pfeife und Tabak hervor. Sie stopften die Pfeifen und entzündeten sie. Dann nahmen sie gleichzeitig ihren ersten Zug und bliesen den Rauch genüsslich durch ihre Nasen heraus. Vor ihnen erstreckte sich die weite Lichtung, auf der sie lebten. Zu ihrer Linken erhob sich der große Wald und verlief über die linke Seite ihres Blickfeldes in die Ferne, bis der Rand der Bäume eine Kurve nach rechts schlug und ihnen buchstäblich den Blick in den Osten abschnitt. Irgendwo dort, wussten sie, lag der Schreckensforst und, ob es nun Einbildung war oder nicht, schienen Schatten über diesem Teil des Waldes zu liegen, die einem selbst aus der Ferne einen Schauder über den Rücken jagten, wenn man an sie dachte. Doch unsere Freunde machten sich gerade keinerlei solcher Gedanken, sondern waren im Gegenteil zutiefst entspannt. Die Sonne schien, der Himmel war blau und Sommerduft lag in der Luft. Fröhlich pusteten Quackler und Buddler Rauchringe in die Luft, die umherwirbelten und im sanften Wind tanzten. Dabei unterhielten sie sich und lachten und ließen ihren Blick über die Ebene schweifen. Nachdem sie aufgeraucht hatten, ließ sich Herr Buddler rücklings ins Gras fallen und stieß einen vergnügten Seufzer aus. Als Herr Quackler seinen Kopf zu ihm drehte, grinste er seinen grünen Freund mit breitem Mund an. Dieser grinste zurück, streckte seine kleinen Arme aus und gähnte genüsslich. Dann legte er sich, auf seine Ellenbogen gestützt, hin und drehte sein Gesicht nach oben. Er konnte die Sonne auf seinen Wangen und auf seinen geschlossenen Lidern fühlen.


Der Quackler merkte, wie ihn sein Begleiter einen Stoß gegen die Schulter versetzte. Er musste wohl kurz eingenickt sein. „Aua!“, quakte er. „Tut mir leid.“, entschuldigte sich Buddler, „Nur wird es hier oben auf dem Hügel langsam etwas frisch. Wollen wir wieder hinuntergehen?“. Sein Freund nickte. „Ja! Wie Recht du hast! Scheußlicher Wind!“. Sie rappelten sich beide auf und gingen zurück zur Steintreppe. Auf der obersten Stufe wäre der Quackler fast auf seine Nase gefallen, hätte ihn sein Gefährte nicht in letzter Sekunde aufgefangen. „Danke, mein Freund.“, lächelte er den Buddler an. Unten angekommen streckte sich Herr Buddler. „Viel besser hier unten. Lass uns noch ein wenig spazieren.“

„Ich weiß nicht. Es ist langsam Zeit zum Mittagessen. Ich glaube, ich gehe erst einmal nach Hause.“, entgegnete der Quackler.

„Ach hör auf, herumzualbern! Nach dem Spaziergang können wir in meine Höhle und fein zu Mittag essen. Ich habe noch etwas von gestern übrig, was dir sicher schmecken wird.“

„Was denn?“, fragte Herr Quackler gespannt.

„Das siehst du, wenn du es auf dem Teller hast!“

„Ich habe eine bessere Idee! Wir essen zuerst bei dir und gehen dann weiter spazieren. Ich habe einen Riesenhunger!“

Herr Buddler verdrehte die Augen. „Na meinetwegen.“ Er drehte sich um, öffnete das kleine Tor zu seinem Vorgarten und ging hinein. Herr Quackler folgte ihm. Als sie durch die schöne, alte, rote Holztür in das Innere des Hügels gegangen waren, fanden sie sich in einem mittelgroßen Raum wieder. Die Eingangshalle war – wie alle anderen Räume der Höhle – fein säuberlich in den Hügel gegraben. Die Wände waren von innen mit rotem, glatt gestrichenen Lehm ausgekleidet, der ihnen Stabilität verlieh und den Zimmern eine gemütliche Farbe gab. Zur Rechten und Linken der Türe ließen die zwei kleinen, runden Fenster etwas Sonne herein. Das war jedoch auch der einzige Raum der Höhle, der mit Tageslicht beleuchtet wurde, denn wie ihr wisst, hat es der Buddler lieber etwas dunkel und dämmerig. Am hinteren Ende des Zimmers führte eine kleine Wendeltreppe aus flachen Steinen durch ein tiefes Loch in die untere Etage. Herr Buddler ging voran. Die Steine steckten reihum in der Wand und führten dort, wo das Loch durch die Decke des Untergeschosses brach, gerade an der Wand entlang, bis sie am Boden ankamen. Der Raum, in dem sie sich nun befanden, hatte etwa dieselbe Größe wie die Eingangshalle. Zur Rechten und zur Linken führten weitere Gänge in andere Teile der Höhle. An den Wänden hingen einige bemalte Teller und in der rechten Ecke stand ein Tischchen mit einer Rüschendecke und einer kleinen Kerze darauf, die der Buddler in die Hand nahm und entzündete. Dann gingen sie ins Wohnzimmer. Dieser Raum war mit Abstand der größte der gesamten Behausung. An der linken Wand loderte ein warmes Feuer im Kamin, das die Stube in einen heimeligen Schein tauchte, davor zwei gemütliche Sessel.

„Setz dich hin, mein Freund!“, wies Buddler Herrn Quackler an.

Das ließ er sich nicht zweimal sagen, pflanzte sich in einen der Sessel und rückte seinen Po in dem weichen Kissen zurecht. Sehr schön, dachte er und blickte sich um. Dabei reckte er seinen Hals nach links und rechts um das ganze Zimmer betrachten zu können. Der Wohnraum war beeindruckend gestaltet; beinahe überfüllt, aber dennoch einladend und gemütlich. An der Wand, an der sich der Kamin befand, hingen mehrere Dutzend gerahmter Bildnisse altehrwürdiger Buddler-Vorfahren und auf dem Kaminsims sah man – fein säuberlich aufgestellt – Baria und Brogg Buddler, Herrn Buddlers Eltern und seine Großmutter Berga. An der Wand direkt über dem Kamin hing ein riesiges Portrait seines Großvaters, des alten Beriant Buddlers.

Jener hatte vor langer Zeit den Hügel, in dem heute der Buddler wohnte, gemeinsam mit seiner Frau Berga bezogen und zu dem gemacht, was er heute war. Man sollte erwähnen, dass er den Hügel mit Hilfe seiner Brüder regelrecht eingenommen hat. Zuvor hatten hier nämlich einige ziemlich fiese wurmschwänzige Kobolde gehaust. Doch Beriant und seine Brüder hatten Finger wie Dolche und so schlugen sie die gemeinen Kreaturen schließlich in die Flucht. Nach Beriants Tod fiel der Hügel an seinen ältesten Sohn Brogg und dessen Frau Baria. Herr Buddler hatte seinen Großvater nie kennengelernt, nur seine Großmutter hatte ihm und seinen zwei jüngeren Brüdern, die mittlerweile in die Welt gezogen waren, viele Geschichten über ihn erzählt. Seitdem war viel Zeit vergangen und seit dem Tod seiner Eltern lebt Borro Buddler nun allein in seinem großen Hügel.

Herr Quackler seufzte, als seine Augen über die Bilder dieser großen Familie flogen. Manchmal machte es ihn traurig, der einzige Quackler weit und breit zu sein – aber eben nur manchmal.


„Sieh nur, sieh!“, rief Herr Buddler, als er aus der Küche in die Wohnstube lief, einen kleinen Topf in der Hand, „Sieh, was ich hier leckeres habe: Frittierte Zitronenfalter-Raupen!“

Erfreut machte Herr Quackler einen Hüpfer vom Sessel – und hätte sich am Kamin in der Eile beinahe die Füße frittiert! „Oh ja! Oh ja! Deine frittierten Raupen sind die besten, die ich kenne!“, schwärmte er.

„Setz dich schon mal an den Tisch“, sagte Buddler, „Ich hole noch etwas Öl und Zitronenmelisse. Und Teller natürlich.“

Das Essen mundete den beiden vorzüglich und machte sie satter als satt. Sie aßen gut und unterhielten sich ausgelassen. Nach einem kurzen Verdauungs-Nickerchen rappelten sie sich zu ihrem Nachmittagsspaziergang auf und verließen den Bau des Buddlers.


„Wo wollen wir hin?“, fragte Herr Quackler.

Sein Freund schlug ihm vor: „Lass uns doch etwas am Waldesrand entlanggehen.“

„Aber nicht zu weit!“

„Jaja.“ Herr Buddler rollte mit den Augen und winkte den Quackler zu sich, als er durch das Tor seines Gartens schritt. Sie bogen rechts ab und liefen an Herrn Quacklers Tümpel vorbei (dem er einen besorgten Blick zuwarf), bis sie zum Weg am Rande des Waldes gelangten. Wieder bogen sie rechts ab und folgten dem Pfad.

Nach einigen Minuten spitzte Herr Quackler seine nicht vorhandenen Ohren. „Hörst du das?“

„Was?“

„Na das!“, erwiderte er und reckte seinen Kopf zur Seite um zu lauschen. „Die Melodie!“

„Ja“, sagte Buddler, „Ich hör’ es auch. Da singt jemand ein Lied.“

Der Quackler schlug die Hände vor seinem Mund zusammen. „Ob das wohl…?“

Herr Buddler lächelte ihn an. „Das erfahren wir nur, wenn wir nachsehen.“, sagte er und zwinkerte seinem Freund zu.

Also folgten sie dem Gesang und es dauerte nicht lang, bis sie sahen, woher er kam. Herr Quackler traute seinen Augen und Ohren nicht. Was er erblickte, entzückte ihn über alle Maße.

„Wusste ich’s doch, Buddler!“, flüsterte er ihm lächelnd zu.


Zu ihrer Linken erhob sich eine große Linde und auf einem ihrer Äste saß vergnügt Prinzessin Lyra und sang mit leuchtend klarer Stimme ihre Melodie. Sie ließ ihre zarten Beine herunterbaumeln und ihr weiches, bläuliches Gefieder, das am Kopf und an den Flügeln samtrot durchsetzt war, glänzte im Licht der Nachmittagssonne. Auf der anderen Seite des Weges, an einen großen Findling gelehnt, döste Wanda, die Magd und beste Freundin der Prinzessin. Ihr runder Körper hob und senkte sich unter ihren ruhigen Atemzügen. Die Flügel hatte sie auf ihrem Bauch zusammengefaltet und ihre großen Ohren hingen ihr übers Gesicht. Das Ganze sah ziemlich drollig aus, doch das war ja nichts Außergewöhnliches für eine Schlapp-Eule wie sie.

„Hach, ist die Prinzessin nicht wunderschön! Und ihr Gesang!“, schmachtete Herr Quackler. Herr Buddler lachte. „Ja, das stimmt wohl.“

Als Prinzessin Lyra die beiden bemerkte, lächelte sie ihnen zu. Herr Quackler wurde rot wie ein Apfel und stand da wie angewurzelt. Deshalb fiel er fast um, als ihn sein Freund am Arm packte und zu Wanda zog, die an dem großen Stein lehnte. Da musste die Prinzessin lachen. Herr Buddler stupste die Magd an, sodass sie aus ihrem Nickerchen hochschreckte.

„Huch-schlu-hu, Prinzessin!“ Verwirrt schaute sie sich um, bis sie den Buddler und seinen Gefährten vor sich sah. „Was macht ihr denn hier, schlu-hu? Das ist aber schön, dich hier zu sehen, Borro. Und dich natürlich auch, Quackler.“

„Wir wollten heute Nachmittag etwas spazieren. Das Wetter ist ja so schön und da wäre es doch eine Katastrophe, im Bau zu bleiben. Oder in der Hütte.“

„Da hast du Recht! Auch wenn es scheint, als braue sich da im Osten ein Unwetter zusammen.“, zwitscherte Prinzessin Lyra, die soeben zu ihnen herüber geflattert kam. Herr Buddler nahm ihre Hand in beide Hände und senkte den Kopf. „Es ist mir eine Freude, Euch am heutigen Tage zu sehen, Prinzessin!“ Die Prinzessin nickte ihm mit einem Lächeln zu. Auch Herr Quackler nahm ihre Hand und gab ihr darauf einen Kuss. Ein Wort brachte er jedoch nicht heraus und sein Kopf hatte mittlerweile die Farbe einer reifen Kirsche angenommen. Prinzessin Lyra kicherte vergnügt. „Es freut mich ebenso außerordentlich, euch beide hier zu sehen!“ Endlich fasste sich auch der Quackler ein Herz und stammelte: „Eu… Euer Gesang ist… wunderschön!“

„Es erfüllt mich mit großer Fröhlichkeit, das zu hören.“, erwiderte die Prinzessin mit einem Lächeln. Die Gesichtsfarbe des Herren Quackler brauche ich, glaube ich, nicht weiter zu beschreiben.


Herr Buddler deutete in den Himmel. „Schaut euch das an! Wie schnell diese dunklen Wolken in unsere Richtung ziehen.“ Die anderen schauten nach Osten und sahen, wie das Unwetter, das die Prinzessin in der Ferne schon bemerkt hatte, wie ein brodelnder schwarzer Schatten auf sie zurollte. Da zuckte ein Blitz durch den Himmel und auch der Donner ließ nicht lange auf sich warten.

„So leid es mir tut, Freunde, ich glaube, es ist besser, nach Hause zu fliegen.“

Lyra stimmte ihrer Magd zu. „Leider hat sie Recht. Es war sehr schön, euch zu sehen und gerne hätte ich mich noch mit euch unterhalten. Ihr seid jederzeit im Schloss meines Vaters willkommen. Ich würde euch gern zum morgigen Festmahl einladen!“

Buddler und Quackler verbeugten sich und fingen an, im Chor zu sprechen: „Das wäre uns eine große Eh…“


Plötzlich sprach eine tiefe Stimme zu ihnen, bedrohlich und doch von verführerischem Klang.

„Oh nein … meine Lieben! Bleibt doch noch etwas … hier!“

„Wer hat das gesagt, schlu-hu?“, fragte Wanda.

Die Stimme lachte leise grollend. Da erhob sich hinter dem Findling ein großer Kopf mit langer Schnauze, rotem, abstehendem Fell, spitzen Ohren, funkelnden, zu Schlitzen verengten Augen und messerscharfen Zähnen, die sich in einem böse grinsenden Maul aufreihten. Eine große, klauenbewehrte Hand und noch eine zweite kamen zum Vorschein gefolgt von einem langen Hals, einem langen, pelzigen Körper in feurigem Rot und einem noch längeren Schwanz.

„Das war dann wohl ich…“, sagte der Rote mit höhnischem Grinsen.

„Der rote Drache vom Finsterforst!“, platzte Buddler erschrocken heraus, als die riesige Kreatur sich geschmeidig hinter dem Felsen hervorwandte

„Oh, oh…“, brachte der Rote mitleidig hervor. „Nennt mich doch lieber Schlitzer…“ Er schnappte sich den armen Herrn Quackler, dessen vormals purpurnes Gesicht nun bleich und weiß war wie Schnee, und fuhr ihm mit einer seiner dolchartigen Klauen über den Bauch, ohne ihn zu verletzen. Dabei flüsterte er ihm ins Ohr: „Diesen Namen mag ich doch viel lieber!“ Ängstlich schaute der Quackler ihm in die Augen und Schlitzer blickte wehleidig zurück. Dann öffnete er sein Maul und ließ es donnernd vor seiner Nase zuschnappen. Herr Quackler heulte auf.

„Hahahahahahahahaha!“, lachte der Drache vom Finsterforst und ließ ihn unsanft ins Gras plumpsen. Wieder heulte der Quackler auf und als er sich gerade aufrappelte, pustete ihm Schlitzer den Hut vom Kopf. Das reichte ihm. Ungeschickt nahm er die Beine in die Hand und versuchte wegzulaufen. Vor Angst konnte er kaum atmen. Derweil legte Wanda Prinzessin Lyra schützend ihre Flügel um die Schultern.

„Schnell, Prinzessin, folgt mir, schlu-hu! Wir müssen Euch in Sicherheit bringen!“ Und ohne ihre Widerworte zu dulden, nahm die Amme Lyra bei der Hand und flog mit ihr in den Wald.

„Oh nein, Prinzessin…“, schluchzte Schlitzer mit aufgesetzter Traurigkeit. „Ich wollte Euch doch noch so gern singen hören…“

Herr Quackler hatte es mittlerweile geschafft, auf die Beine zu kommen, schnappte sich seinen Hut und rannte nun hysterisch keuchend davon.

„Quackler, warte!“, rief ihm Borro hinterher. Doch gleich darauf drehte er sich – auf das Schlimmste gefasst – zu Schlitzer. Der kicherte nur höhnisch. „Schade… Den Glatzenwärmer des Quacklers hätte ich zu gern behalten… Scheint ihm ja richtig wichtig zu sein, dieser Hut. Wichtiger jedenfalls als sein Freund, so scheint es…“ Der Drache setzte sich auf seine Hinterbeine und richtete sich vor Herrn Buddler auf. „Und was mache ich jetzt mit dir?“ fragte er und kratzte sich nachdenklich am Kinn. Borro lief es eiskalt den Rücken hinunter. Für einen Moment blickte ihn Schlitzer nur gierig an, doch dann seufzte er überspitzt und sagte: „Zu deinem Glück habe ich heute schon… gegessen.“ Und mit einem hämischen Lachen kehrte der rote Drache vom Finsterforst dem Buddler den Rücken und verschwand im Dickicht des Waldes.


Als Herr Quackler hustend und prustend seine Hütte am Tümpel erreichte, war das Unwetter bereits in vollem Gange. Blitz und Donner grollten brüllend in den wütenden Wolken und kalter Regen peitschte wie tausend Nadeln durch die Luft, getragen von gnadenlos lachendem Sturm. Vom Walde her hörte er das Knacken der Bäume und das Weinen ihrer Äste. In dieser Nacht fand er keinen Schlaf.

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