Unbedeutend

Wenn ich, wie nun, des Nachts mein Denken nicht zur Ruhe legen kann

Und rastlos meiner Seele Augen Fragen suchen,

Wenn grelles, ungeseh’nes Licht im Dunkeln mir die müden Augen blendet, dann,

Ja dann beginnt mein Geist in große Höhen hoch zu schweben

Und seinen Blick vom Kleinen auf das Große hinzurichten,

Da er beginnt, was schwer erscheint, weit weniger zu wichten

Als leichtes Ganzes,

Wenn er im Lied des ewigalten Tanzes

Zu seh’n beginnt und zu erahnen,

Und zu erkennen! Und sich selbst zu ermahnen

Über das, was die Strophen ihm verheißen,

Leise, versteckt und mit Flüstern gesungen,

Und so langsam und sanft in sein Inn’res gedrungen;

Die stille Wahrheit, dass wir alle doch,

In uns’rer Schönheit und Vollkommenheit, die immernoch

Uns ewig einzig macht,

Doch unbedeutend sind.

Sind wir doch nichts, bis wir das Licht der Welt erblicken,

Und werden nichts, bis nach dem Tod

– Auch, wenn wir lang noch in Erinnerung gedacht –

Der Zeiten Hände ins Vergessensein uns schicken.

Und nun? Mich schaudert’s, dies’ Erkennen,

Doch nicht für lange,

Denn da, obwohl ein jeder von uns unbedeutend ist,

Dem unser’n Sein der Sinn erhalten bleibt,

Wird mir nicht bange.

Ist jeder von uns doch Gedanke Gottes,

Der ganz und gar durch uns sich selbst erfahren sucht

Und uns dafür ein freies, unbedeutend’ Leben schenkt,

Dem nicht die Last der Geltung auf die Schultern drängt.

Ist das nicht tröstlich?

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#Lyrik

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