In der Heide

Saß ein Mädchen in der Heide, Bunten Blumenkranz im Haar. Pflückte Blüten von der Weide, Tief enzücket ganz und gar. Oh du kleine Blumenmaid, die Sonne steht schon hoch. Verliere dich nicht im Blumenmeer, doch Zeit, die hast du ja noch.

Kam ein Knabe zu dem Mädel, Setzte sich ganz nah zu ihr. Liebe Worte schön und edel Flüsterte er ihr ins Ohr. Oh du kleine Blumenmaid, die Sonne steht schon tief. Verliere dich nicht in Liebesschwur, wenn die Mutter in Ferne schon rief.

„Möchtest du mein Liebchen sein?“, Fragte er ganz klar heraus. Mädchen sagte leider „Nein, Muss ich doch bald schon nach Haus.“ Oh du kleine Blumenmaid, die Sonne schon versinkt. Verliere dich nicht in der Dunkelheit, wenn die Nachtigall schon singt.

Da riss er die Blumen dem Mädchen vom Zopfe, Schlug ihr damit ins Gesicht. Zog ihr das Kleid über Hals und Schopfe, Sein Liebchen sein wollt’ es ja nicht. Oh du kleine Blumenmaid, die Sonne ist nun fort. Verliere dich nicht schändlicher Tat, an einstmals schönem Ort.

Er ging ihr unter Rock und Mieder, Suchte süßen Nektars Kost. Nimmt sich Liebe immer wieder Bis der Boden rot wie Rost. Oh du kleine Blumenmaid, nun ist es finst’re Nacht. Verloren bist du in Finsternis, da die Sonne für dich nie mehr lacht.

Schon beim ersten Sonnenstrahle Eilte der Knabe nach Haus. Pflückt seiner Mutter, wie bei jedem Male Einen schönen Blumenstrauß. Oh du kleine Blumenmaid, die Sonne vom Morgen schon rot. Verloren in Sorge die Mutter noch rief, doch das Mädchen, es war tot.

http://www.kunstkopie.de/kunst/noartist/c/cspitzweg_2_maedchen_auf_der_a.jpg

#Lyrik

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