AVILANDEA - II. Gesang

Gelidas war ein Königssohn,

Von hoch Geburt und immer schon

Vom Volk geliebt und stets verehrt,

Von allen Damen stets begehrt

Und hohen Herren angeseh'n,

Als großer Mann im Licht zu steh'n.

Gar golden war sein Panzerkleid,

Von reinstem Silber das Geschmeid

An seinem prächt'gen Kriegsgewand,

Ein edles Schwert ziert seine Hand,

Um seine Feinde zu vernichten

Und durch Schicksals Stoß zu richten.

Doch all dies werte Kriegsgerät

Wird in des Friedens Zeit verschmäht

Und liegt in dunklen Kellern nass,

Des Goldes Glanz schon matt und blass.

Denn lang schon war's nicht mehr gebraucht,

Des Zornes Zug war längst verraucht,

Die Zeit des Friedens war erreicht,

Das Leben lag im Recht, war leicht.

Und deshalb war des Schwertes Streich

Nicht mehr gebraucht in jenem Reich.

So war es nicht zu jeder Zeit,

Ganz anders war's in Jahren weit

Zurück in der Vergangenheit,

In Zeiten voll von Zwist und Streit.

Des Prinzen Ahnen, voll von Mut,

Gar ruhmreich Mannen, stark und gut,

In Schlachten und im großen Krieg,

Ihr Volk sie führten in den Sieg.

So ruhmreich war ihr Angesicht,

Sie standen selbst im höchsten Licht.

Doch nicht so war's Prinz Gelidas

Und dies sein kühnes Herz zerfraß,

Denn wer in Friedens Zeiten lebt,

Dem jede Chance auf Ruhm entschwebt.

Gelidas war ein Edelmann,

der keinen Ruhm erlangen kann.

Doch lebte er ein friedvoll Sein,

Sein Eheweib war hold und fein,

Gar wunderschön ihr Angesicht,

Doch sah's nicht, wie sein Herz zerbricht.

Zwei Söhne waren ihm geschenkt,

Doch auch ein Herz, welches ihn drängt,

Das Glück zu suchen in der Welt,

Zu werden ruhmreich, wie's gefällt.

Die Söhne waren jung und schön,

Ganz wie der Vater anzuseh'n.

Sie lebten in Palästen groß,

Ihr Leben zog des Friedens Los.

Zufriedenheit war stets beschehrt,

Nichts fehlte, was das Herz begehrt.

In ihren hohen Hallen sacht

Ein Feuer stets des Nachts entfacht,

Dass Wärme brachte in das Haus,

Das jagte Kältes Zorn hinaus.

Gesang erfüllte oft den Saal

In Nächten, wenn der Mond gar fahl

Durch bunt durchwirkte Fenster fiel

Und es erklang ein Glockenspiel,

Das feiernde Gesellschaft zwang,

Den gut Besuch von hohem Rang,

Zu tanzen in die Nacht hinein,

Denn's sollte stets voll Freude sein.

Die Gärten waren groß und schön,

Die Blumen prachtvoll anzuseh'n,

Die wild gediehen an dem Ort,

Von Licht durchflutet immerfort,

Das sacht erhellt und unverbrannt

Den Weg durch Baumes Krone fand,

Denn Wälder waren angelegt,

Durch quellend Wasser gut gepflegt,

In diesen Gärten ganz aus Gold,

Im Anblick unerreicht und hold.

Dort war der Söhne liebster Ort,

Von wo sie wollten niemals fort.

Auch Gelidas und Anduir,

Des Prinzen Weib verbrachten hier

Viel schöne Zeit in Lieb' und Freud',

In Muße und in Heiterkeit.

Denn seine Sippe liebte er

Von seiner ganzen Seele, nur

War dort etwas in seinem Geist,

Das ihn und auch sein Herz zerreißt.

Ein starker innertiefer Drang,

Die ihm des Nachts im Traum erklang,

In Träumen seiner Ahnen Zeit,

In Träumen der Vergangenheit,

Visionen voll von Ruhm und Glanz,

Die bald erfüllten schon ihn ganz.

Ein Wunsch machte sich in ihm breit,

Zu Großem war er längst bereit,

Die Lust nach Abenteuern zog

Ihn ganz und gar in ihren Sog

Und führte ihn fast gänzlich fort

Von diesem friedvoll guten Ort.

Doch immer noch versuchte er

Zu unterdrücken diese schwer

Zu bändigende inn're Lust,

Die ihn verzog in tiefen Frust.

Die Muße, die ihm angedacht,

Das frohe Feuer in der Nacht,

Der Sippe sang bei frohem Fest,

Das liebevoll errichtet Nest,

Das Volk, das immer liebte ihn,

Das Leben, das so friedvoll schien,

Die Goldnen Gärten, voll von Licht,

Der Sonne Freude, die nie bricht,

Des Weibes Liebe, endlos rein,

Das schönste Leben, bar von Pein,

Der Kinder stets vergnügtes Spiel,

All dess' dem Überdruss verfiel

Gelidas bald, des Königs Sohn

Und Wunscherfüllung sei sein Lohn.


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