AVILANDEA - I. Gesang

O hellster Stern am Himmel hoch,

Seit Anbeginn und immernoch

Der Welt Geschick betrachtest du

In sternbestückten Dunkels Ruh.

So sprich in Mondes Angesicht

Die Worte, die vernahm noch nicht

Ein Menschensohn seit alter Zeit

In aller Welten Landen weit.

So fahr hernieder, o Gesang,

Der klar aus deinem Mund erklang,

Den du verkünd'st in kalter Nacht,

Des Mannes Ohr erquickend sacht,

Der dort auf kalten Wogen liegt

Und fragend in den Himmel blickt.

Und der den Kuss der Sterne fängt,

Dess' Herz nur eine Sehnsucht drängt.

Nicht Hunger bracht ihn, noch Gefahr,

Auch Zorns und Kummers war er bar,

Als er ersucht die nächtlich' See,

Denn eins zog ihn seit eh und je:

Das eine, das ergriff sein Herz

Und pflanze einen tiefen Schmerz,

Der kam aus Innerstem heraus

Der zog ihn mit dem Boot hinaus:

Die eine Sehnsucht, die verzehrt

All' Menschen Seele und sich nährt

Von einem innertiefen Drang,

Der ihnen nachts im Traum erklang.

Dess' Quell kein Weisester erkennt

Und kein Gelehrter je benennt.

Sie war es, die ihn zog aufs Meer,

Bloß sternbeschienen, nackt und leer.

Die an ihn hielt, den suchend Blick

In Hoffnung auf ersehntes Glück

Zu Himmels Hellstem hinzudreh'n,

Um klarer durch die Nacht zu seh'n.

Denn arg beschwert war seine Brust,

Die Ferne zog ihn und die Lust,

In weite Welt hinauszugeh'n,

Und weiter Welt Gefahr zu seh'n.

Sie hielt ihn an mit drängend Macht,

Die ihn auf hohe See gebracht,

Zu suchen in der Ferne Schein

Und dort in Glück und Freud' zu sein.

Denn seines Lebens stetig Takt

Ermattet ihn in einem Akt

Aus Überdruss erfülltem Leid,

Ein Leben ohne Heiterkeit.

Denn nie war er je glücklich dort,

Ganz ohne Trost schien ihm der Ort,

Erfüllung ward ihm nie geschenkt,

In Trott und Muße ganz versenkt.

Da klang des hellsten Sternes Stimm'

Und sprach mit klarem Klang zu ihm

Ein Wort auf klarer See gebracht

Und sang ein Lied ihm in der Nacht;

Von dem, was war vor langer Zeit,

Geschehen in Vergangenheit.

Er trug heran Geschichten alt,

Vom Wind vernommen einst, der kalt

Durch aller Welten Lande zieht

Und wandernd jedes Schicksal sieht.

Ein Lied, das niemanden ereilt',

Der noch im Lebenden verweilt.

Geschichten, die vergessen sind

Und eingeflüstert keinem Kind

Und niemals einem Mann erzählt,

Vom Hellsten dennoch ausgewählt.

So trug er jene flüsternd vor;

Des Himmels Mär verkündet er

Dem ohne Rast auf Wassern sacht,

Der aufgebrochen war zur Nacht,

Von Sehnsucht war er hingeführt,

Die Suche von ihr hergerührt,

Die nicht ein Ziel ihm dort erwog,

Nur ziellos in die Ferne zog.

Und so, von längst Vergessenem,

Berichtete der Hellste dem,

Der auf dem Meer auf Antwort sann

Und so der Hellste dann begann,

Zu singen von dem Schicksal kalt,

Dem Wyrde eines Mannes alt,

Dess' Taten nie vernommen war'n,

In all den ungezählten Jahr'n.

Dess' traurig Schicksal, voll von Gram

Nun in dem Lied ans Lichte kam.


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